Vera Seidl

Rezensionen

Gott is(s)t Honig


Inspirationen aus einer anderen Welt


Beginnt man das Buch "Gott is(s)t Honig" von hinten zu lesen, schaut sich zuerst den Dank der Autorin an, den sie ebenfalls in der Form eines Gedichts verfasst hat, wird deutlich, woher Vera Seidl ihre Inspirationen hat.

Sie stammen nicht aus dieser Welt.

Den Reichtum der anderen Welt präsentiert sie in neunundneunzig Gedichten und drei Essays, deren Weite sich auch darin zeigt, dass in dem Lyrikband zwei spanische, ein französiches, ein hebräisches und ein arabisches Gedicht zu finden sind, wobei es sich bei den letzten beiden nicht um neu kreierte Werke, sondern um bekannte Gebete handelt.

Manchmal kann man der Schriftstellerin nicht mit dem Verstand in die andere Welt folgen, aber mit dem Gefühl gelingt es immer. Sie zeigt viel Schmerz, aber noch mehr Liebe.

Sie weist den Weg, wie man das Leid in Liebe wandeln kann und folgt dabei dem Beispiel Christi.

Missstände im Diesseits deckt sie sowohl in den Gedichten als auch in den drei Essays schonungslos und gut recherchiert auf, wobei besonders in den Essays ihr Humor mitreißend ist.

Wer lieber wie der biblische Hiob fragt und klagt, kommt ebenfalls auf seine Kosten.

In der Bibel ist die Autorin ebenso zu Hause wie in anderen Religionen und der Philosophie.

Von dieser Schriftstellerin werden wir noch viel Spannendes zu lesen bekommen, worauf ich mich freue!

Meinen Dank und meine Wertschätzung an Vera Seidl!


A. Schweitzer




"Vera Seidl. Raphaela: Gott heilt. Historischer Roman – 2017

Biblische Zeiten: Mehr als 2500 Jahre weit von uns weg. Die Autorin, Vera Seidl, führt uns mit ihrem Debut-Roman in einen der bewegendsten Abschnitte jüdischer Geschichte: Die Exilzeit.

In der fiktiven Titelfigur mit dem hebräischen Namen „Raphaela“ wird der Leser durch drei Generationen geführt. Der Roman-Untertitel „Gott heilt“ ist dabei nicht nur Übersetzung des weiblichen Titel-Vornamens. Er ist Programm für die bizarre Entfaltung menschlicher Schicksale in furchtbarer Zeit. Es sind vorhellenische und vorrömische Zeitläufte in denen der Raum der Levante vom Nil bis nach Kleinasien von Gewaltherrschern geprägt wird.

Wie heute wieder.

Es beginnt 597 vor Christus mit der Zerstörung Jerusalems und des Königreiches Juda durch den amtierenden neubabylonischen König Nebukadnezar II. Es erstreckt sich bis zur Eroberung Babylons 539 vor Christus durch den Perserkönig Kyros II. Es ist die Zeit der „Babylonische Gefangenschaft“ der Juden.

Dargestellt wird vor dieser historischen Kulisse die zweimal erzwungene Migration des jüdischen Volkes vom Jordan zum Euphrat und wieder zurück. Dazwischen liegen knappe sechzig Jahre: Das Leben der Titelfigur. Der Lebenslauf der Raphaela, dient der Autorin als Spiegel dieser Zeit.

Nebukadnezar II gilt als Gründer des von 625 bis 539 vor Christus andauernden Neubabylonischen Reiches. Vera Seidls Romanhandlung wird eingeleitet mit Arbeiten am Tempel in Jerusalem. Dazu führt sie Joasch als einen über Judäas Grenzen hinaus bekannten Baumeister ein.

Der Baumeister ist der Vater Raphaelas. Diesen will der Gewaltherrscher für seine in Babylon geplanten Prachtbauten gewinnen. Bei seinem Versuch, vorab aber erstmal dessen Tochter Raphaela zu vergewaltigen, schlägt der Baumeister den Tyrannen nieder. Dafür wird er aus dem Gefolge des Usurpators getötet.

Die Vergewaltigung hat der Vater verhindert. Über seiner Tochter aber wird die erlittene Gewalt als ein sich modifizierendes, die Romanhandlung durchziehendes Trauma lebenslang schweben. Noch in ihrer Todesstunde dreißig Jahre danach, so schreibt es ihr die Verfasserin zu, formen ihre Lippen den Namen „Nebukadnezar“.

Neben der schlimmsten Tyrannis besteht in dieser Zeit aber bereits eine höchste Ausformung menschlicher Zivilisation. Vera Seidl gelingt es, die Parallelität von beidem anschaulich darzustellen. Raphaela ist eine Romanfigur an der uns die frühe Geschichte des Orients vermittelt wird.

Wohl aus religiösen Interessen wird in den Büchern des Tannach und der Bibel ein falsches Bild vom jüdischen Exil gezeichnet. „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten...“, heißt es in einem Psalm. Im Gegensatz zu fundamental jüdischer Lehre gilt aber das babylonische Exil nach Forschungen historisch-kritischer Bibelwissenschaft als eine sehr fruchtbare Epoche ihrer Theologie.

Im wesentlichen folgt auch Seidl dieser Richtung. Sie nimmt als gesichert geltende historische Fakten auf und vermittelt, wie im sechsten Jahrhundert vor Christus die bis dato nur mündlich überlieferten mythologischen Erzählungen der Israelis schriftlich fixiert und erste Synagogen gebaut werden.

Als Ersatz für den ermordeten Baumeister wird Jonathan, Joaschs Sohn, nach Babylon verbracht. Dieser Bruder Raphaelas, ist Architekt wie sein Vater. Der Herrscher will Babylon zur größten und prächtigsten Stadt der Erde machen.

Dazu braucht er Fachleute.

Darum werden tausende Angehörige der jüdischen Oberschicht einschließlich ihres abgesetzten Königs Jojachin durch die Wüste an den Euphrat getrieben.

Unter ihnen Raphaela.

Der Regentschaft Nebukadnezars zugeschrieben werden nicht nur der allein biblisch überlieferte, aber historisch nicht gesicherte "Turmbau zu Babel", genauso wie die „hängenden Gärten“. Als gesichert hingegen und in dieser Zeit entstanden gilt das heute im Pergamonmuseum in Berlin zu bewundernde, mit seinen glasierten blauen Kacheln verklinkerte prächtige

„Ischtar-Tor“.

Die in der Bibel ebenfalls mit Nebukadnezar in Verbindung gebrachte so genannte „babylonische Sprachverwirrung“, erwähnt Seidl nicht. Im Gegenteil bevölkern ihre Story neben Juden und Chaldäern an maßgeblichen Textstellen Personen aus Armenien, Lydien, Medien, Akkadien oder Ägypten, die die entsprechenden Muttersprachen sprechen und sich handlungsbedingt oft nicht verständigen können. Eine „Sprachverwirrung“ müßte demnach lange vor Nebukadnezar stattgefunden haben.

Äußerlich bestanden nach Seidls Darstellung für die Juden in Babylon recht komfortable Lebensumstände. Ohne Einschränkung konnten sie Landwirtschaft und Häuserbau betreiben. Ebenso oblag die Verwaltung den Exilanten selbst. Belege über speziell den Juden auferlegte Fronarbeit gibt es nicht. Im babylonischen Exil konnten die Juden ihre Traditionen und ihre religiöse Identität bewahren. Nach geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen assimilierten sich die in und um Babylon angesiedelten Juden recht schnell.

Namen von Hebräern aus der privilegierten Oberschicht tauchen nach 597 in babylonischen Urkunden auf. Bei Vera Seidl wird dies unter anderem dadurch manifest, daß Jonathan, der Bruder Raphaelas, der Planungschef der Neuanlage von Babyloniens Hauptstadt wird und dies lebenslang bleibt. Und der Prophet Daniel erhält sogar ein hohes Amt bei Hofe.


Für die Orientierung die Lektüre hindurch sehr hilfreich ist das dem Roman beigegebene ausführliche Personen- und Sachverzeichnis. Historische und erfundene Namen werden gekennzeichnet. Biblische Erzählungen werden von geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen getrennt, antike Staats- und Ortsnamen aktuellen geographischen Bezeichnungen zugeordnet."

Joachim M. Ado

"Nebukadnezar, Nabonid, Nebusardan, …

Namen, die den Einstieg in dieses Buch nicht gerade leicht machen und nur Geschichtskundigen des Babylonischen Reiches bekannt sind.

Wer jedoch diese Anfangshürde überwindet, findet ein akribisch recherchiertes Werk, in dem uns die Autorin anhand des fiktiven Schicksals einer jüdischen Frau die Versklavung und Verschleppung des jüdischen Volkes durch die Babylonier etwa 600 Jahre v.Chr. nachvollziehen lässt.

Die Verknüpfung ihrer Lebensgeschichte mit der des babylonischen Königshauses führt zu einer zwar fiktiven, aber wunderschönen Entstehungsgeschichte der Hängenden Gärten von Babylon.

Besonders detailliert sind Lebensweise und Glaubensrituale der Juden als auch der Babylonier beschrieben.

Mir erschloss sich so ein lebendiges Bild jener Zeit und regte mich an, mich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen."

Erika

Der Roman führt in die Welt des babylonischen Reiches und zeigt einem Landschaften, Orte und Geschehnisse des Alten Testaments in neuem Licht.

Durch seine lebendigen Figuren aus Geschichte und Fantasie der Autorin

werden entschwundene Welten lebendig, die in unseren Geschichtsbüchern leider immer zu wenig Beachtung erhielten.

Wir tauchen ein in spannende Episoden, die einen bis zum Schluß nicht mehr loslassen und erleben den Aufbau Babylons

mit den Hängenden Gärten, dem Marduk-Tempel auf dem Turm von Babylon, der Prozessionsstraße und der Vervollständigung des Ischtar-Tores. Es wird der Wunsch geweckt, diesen mit "neuen Augen" unbedingt wieder

im Pergamonmuseum selbst zu erfassen." 

Jürgen

Gisela und Manfred

Das Buch liest sich super weg, auch für nicht so Geschichtsinteressierte …spannend, gefühlvoll, grausig.

Es werden die Sehnsüchte, Strapazen, ein ganzes Leben der Hauptfigur des Romanes spannend dargestellt, aber auch die Zufriedenheit der Menschen in einer nicht so leichten Zeit. Die Phantasie der Autorin scheint grenzenlos zu sein. Wahnsinn …Durch die guten Recherchen kann man sich direkt in die Zeit hineinversetzen und mit der leider etwas traurigen Liebesgeschichte Raphaelas mitfühlen, auch wenn diese schwer zu verstehen ist. Aber gerade dieses Unerwartete macht auch den Reiz dieses Romanes aus.

Peter

"-Raphaela- ist eine fesselnde und ganz einzigartige Liebes- und Familiengeschichte mit einem historischen Hintergrund von Machtintrigen und Vertreibung.

Es war mir beim Lesen fast unmöglich, nicht stetig Parallelen zur Gegenwart zu ziehen.

Ein Buch voller Überraschungen. Und eine Geschichte, die man so schnell nicht vergisst.

Unbedingt lesenswert !"

Frank Kübler

"Spannend geschrieben. Habe das Buch nicht weglegen können, bevor ich es durchgelesen hatte.

Die Liebe zu dem Mörder von Raphaelas Vater und die Freundschaft zu seiner Ehefrau ist beeindruckend und gibt sehr viel Stoff zum Philosophieren."

Susanne Oeltjen

Susanne Oeltjen starb am 19. August 2018.

In tiefer Trauer

Vera Seidl

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Vera Seidl

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